Rita- oder wie alles begann

 

 

Die Haflingerstute Rita war mein Herzenspferd. Ein Pferd, das man nur einmal auf der Welt findet. Ohne sie hätte ich nicht diesen Weg eingeschlagen und nie den Wunsch verspürt meine Pferdeliebe zum Beruf zu machen.

Rita war mein erstes eigenes Pferd. Ich bekam sie als ich zwölf Jahre und sie 17 Jahre alt war. Sie galt als nicht einfach handzuhaben, was am Umgang und an den Haltungsbedingungen bei ihren Vorbesitzern gelegen hatte. Als sie zu mir kam, hatte sie so um die sechs Vorbesitzer. Niemand wollte sie behalten. Ich liebte mein Pferd über alles, kam aber am Anfang ebenfalls nicht klar, da ich reiterlich noch nicht sehr weit fortgeschritten war. So lernten wir also zusammen. Es war ein harter, steiniger Weg für uns beide. Doch über die Jahre wuchsen wir mehr und mehr zusammen.  Immer wieder versuchten mir  besserwisserische Leute einzureden, ich würde ein besseres Pferd  und vor allem ein jüngeres brauchen. Rita konnte nur geradeaus laufen und das beim Ausreiten in einem Höllentempo. Auf der rechten Hand galoppierte sie immer falsch an, was ja beim Ausreiten niemanden gestört hatte. Wir fanden einen Reitlehrer, der geduldig mit uns übte und irgendwann wurde aus dem wahnsinnigen Pferd eine manierliche Haflingerdame. Anfangs rasten wir wie die Irren am langen Zügel durch die Halle und versuchten niemanden umzurennen. Wir probierten alles aus. Rita ging vor der Kutsche, eine Zeitlang widmeten wir uns dem Westernreiten, auch dem Reiten mit Halsring und Knotenhalfter, aber unsere größte Leidenschaft war das Springen. Es gab nichts, wo wir nicht darüberflogen. Mit ihr bewältigte ich Sprünge bis 1,10m sogar ohne Sattel.  Als sie 23 Jahre alt war, bestritt ich mit ihr mein allererstes Dressurturnier. Niemand sagte nun mehr etwas gegen mein Pferd. Ich war so stolz darauf, alles alleine geschafft zu haben. Mit ihr gab ich meinen ersten Reitunterricht. Sie war das beste Lehrpferd, das es je gegeben hat. So stürmisch sie auch im Alter noch war, auf die Reitschüler passte sie auf. Beim Ausreiten blieb sie aber immer noch heftig. Auch mit fast 30 Jahren wollte sie immer noch vorne dabei sein und tänzelte herum wie eine Irre.

Rita starb im Alter von 30 Jahren nach einem langen und erfüllten Leben an Altersschwäche. Wir werden sie immer vermissen!

Als ich 14 Jahre alt war schrieb ich ein Buch über sie, das 2005 veröffentlicht wurde.

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